Seite wählen

Es ist kein Geheimnis: Wer strickt, süchtelt und im Laufe der Jahre wächst und wächst der Vorrat an Knäueln, die zu schön zum verstricken sind. So auch bei mir.

Nach einer längeren Sophie-Scarf-Phase beschloss ich vor einem Jahr, mich eines grösseren „Einzelkindes“ anzunehmen: 100 gr Dipinto von Lang Yarns mit 360 Metern Lauflänge.

Ich suchte ein unkompliziertes Projekt. Eines, das sich einfach stricken lässt, garantiert fertig wird und mir vom Ergebnis her genauso gut gefällt wie der Sophie Scarf. Und eines, mit dem ich die 360 Laufmeter möglichst vollständig verstricken kann, damit ich nicht wieder einen neuen Rest produziere.

Bei meiner Suche auf Ravelry stiess ich auf eine kostenlose englische Strickanleitung: den Pembroke Scarf von Elizabeth McCarten. Ein schlichtes, asymmetrisches Design, das wie gemacht ist für schöne Einzelknäuel und sich laut Beschreibung perfekt für „social knitting“ eignet – also Stricken ohne denken und zählen.

Einfach stricken, bis die Wolle ausgeht

Das Muster ist ganz unkompliziert: Alles rechts (bis auf eine linke Randmasche in jeder zweiten Reihe) und dazu regelmässige Zu- und Abnahmen, die dem Schal seine asymmetrische Form geben.

Und das Beste: Gestrickt wird einfach so lange, bis nur noch genügend Wolle für das Abketten übrig ist. Genau das macht den Pembroke Scarf für mich zu einem wunderbaren Anti-Stress-Strickprojekt: kein kompliziertes Muster, kein ständiges Zählen, kein Bangen, ob der Knäuel reicht. Einfach stricken. Und irgendwann ist die Wolle weg und der Schal fertig.

Kfb, SSK, k2tog und andere Fremdwörter

Einen kleinen Haken hatte die Sache allerdings: Die Anleitung gibt es nur auf Englisch.

Damit erfüllte die Anleitung aber ganz nebenbei aber ein weiteres Kriterium, das ich gerne an meine Projekte stelle: ein kleines, neues Learning.

Nach dem Download sass ich also erst einmal vor Kfb, SSK, k2tog und k2togtbl.

Youtube hilft in allen Lebenslagen und ein paar Videos später wusste ich, was zu tun war. Nach wenigen Reihen hatte ich den Dreh raus.

Pembroke Nr. 1 – 360 Meter Dipinto

Pembroke Nr. 1 war schnell gestrickt. Der Farbverlauf des Dipinto von Dunkelbraun über Grau bis Silber kam in dem schlichten Muster wunderschön zur Geltung. Und meine Rechnung ging auf: Aus dem einzelnen Knäuel wurde ein kompletter Schal, und vom Garn blieb praktisch nichts übrig.

Collage aus meinem Garten: Zucchetti-Pflanze mit Blüten, geerntete Zucchetti und eine Zucchetti unter den Blättern.

Der Pembroke Nr.1 wurde so schön, dass er mir gleich beim ersten Tragen abgeluchst wurde – noch bevor ich dazu gekommen war, wirklich schöne Fotos von ihm zu machen.

Immerhin wurde ich umgehend entschädigt. Mangels Wollgeschäft in der Nähe bekam ich zwei Knäuel Wolle aus einem Billigladen gleich um die Ecke in die Hand gedrückt. Damit ich mir einen Ersatz-Pembroke-Scarf, den Pembroke Nr.2  stricken konnte.

Pembroke Nr. 2– jetzt in Farbe

Damit war Pembroke Nr.2 eine beschlossene Sache, wollte ich doch unbedingt auch einen haben.

Nr. 2 wurde deutlich farbiger: warme Orange-, Rosa- und Rottöne, dazwischen Lila und Grau, wieder ein Verlauf.  Das gleiche Muster – und trotzdem ein völlig anderer Schal.

Nach dem ersten hatte ich die Anleitung intus, also wieder: anschlagen, zunehmen, abnehmen, kraus rechts stricken. Eine Tasse Tee dazu, draussen Schnee vor dem Fenster – und weiter.

Pembroke Nr.2 wurde schnell fertig und ich habe ihn den ganzen Winter getragen.

Zucchetti-Ernte und Verarbeitung: geschnittenes Gemüse, gefüllte Einmachgläser und Gläser im Steamer

Pembroke Nr.3 – schneller fertig. Theoretisch.

Genau wie bei den Sophie Scarfs war ich nach den ersten beiden Pembrokes so richtig angefixt von dieser Anleitung und ich wurde kreativ.

Für Nr.3 wollte ich den Strickspass etwas beschleunigen: 400 Laufmeter Sockenwolle aus dem Fundus, ein flauschiges Beigarn plus dickere Nadeln.

Zwei Fäden, dickere Nadeln = grösser, kuscheliger, schneller fertig.

So zumindest der Plan.

Und anfangs sah es auch ausgesprochen vielversprechend aus. Der Schal wuchs, die verschiedenen Garne mischten sich zu einem schönen Grau-Braun-Blau und durch den flauschigen Begleitfaden wurde das Ganze etwas weicher und voluminöser.

Doch während ich strickte, passierte draussen etwas.

Der Schnee verschwand.
Die Tage wurden wieder länger und wärmer.
Und dann waren plötzlich die ersten Schneeglöckchen da.

Der Frühling kam und das Beigarn ging aus (ganz ohne Rechnen geht’s halt doch nicht).

Pembroke Nr.3 wanderte zu meinen  anderen UFOs (unfinished objects) in die Versenkung. Bevor ich ihn fertig stricken kann, muss ich Nachschub bestellen. Und wegen portofrei und so werde ich mich gezwungen sehen, meinen gut kuratierten Wollvorraut wieder ein bisschen aufzustocken. Weil:  ES IST PASSIERT: ICH HATTE ZU WENIG WOLLE!

Zucchetti-Ernte und Verarbeitung: geschnittenes Gemüse, gefüllte Einmachgläser und Gläser im Steamer

Und warum heisst das Design Pembroke Scarf?

Während ich an Pembroke Nr. 2 strickte, begann ich mich zu fragen, was Pembroke denn eigentlich bedeutet. Wer, wie, was, wo? Ich liebe Zusammenhänge.

Google schickte mich nach Wales.

Und schon war ich gedanklich dort. Ich begann mir auszumalen, was Elizabeth wohl sah, hörte und roch, als sie die Anleitung schrieb. Sass sie in einem Zimmer mit Laura-Ashley-Vorhängen? Hatte sie die Küste im Blick? War draussen stürmisches Herbstwetter? Trank sie Afternoon Tea? Die Tasse auf einem gequilteten Mug Rug?

Fragen über Fragen.

Zum Strick-Tee oder -Kafi darf es bei mir gerne auch etwas Süsses geben. Vielleicht Scones? Oder geniesst man in Wales etwas anderes zum Tee?

Ich fragte Google erneut und landete beim Bara Brith: einem traditionellen walisischen Früchtebrot, für das getrocknete Früchte in Tee eingeweicht werden.

Oooooh!

Also buk ich Bara Brith, damit ich weiterstricken konnte.

Mein erster Versuch war etwas frei interpretiert – unter anderem mit Pflaumen und Ingwer, die von der Weihnachtsbäckerei noch übrig waren. Diesen November werde ich es noch einmal etwas klassischer backen. Das Rezept bekommt dann einen eigenen Platz hier im Blog.

Schöne keltische Musik in Kombination mit Bildern aus Wales fand ich auch noch und damit wäre eigentlich alles vorbereitet für gemütliche Strickstunden mit Pembroke Nr.4:

Den Pembroke Scarf auf den Nadeln, Bara Brith und Tea im Bauch und keltische Musik auf den Ohren… Wir sind bereit für verregnete Herbsttage! 

Und jetzt wollen wir alle nach Pembroke! Eine Strick-Reise am besten! 

(Und ich muss noch Wolle bestellen, damit ich Pembroke Nr. 3 fertig machen kann, bevor ich mit Nr. 4 beginne. ICH HATTE ZU WENIG WOLLE!)